Netbook-Kaufberatung Sommer 2010

Die folgenden Hinweise sollen Ihnen bei der Kaufentscheidung helfen. Sie sind nicht für Fachleute oder Semiprofis geschrieben worden, die ohnehin schon alles wissen, sondern für ganz normale Benutzer, im Fachjargon User genannt, die mit Technik nicht viel am Hut haben. Wenn Sie – einigermaßen – wissen, wofür Sie einen Laptop oder ein Netbook brauchen, dann wollen Sie wahrscheinlich einfach nur erfahren, ob ein ins Auge gefasstes Gerät Ihren Anforderungen entspricht. Sie wollen es einfach einschalten und dann benutzen, ohne darüber nachzudenken, was das Gerät gerade leistet. Der Autor dieser Zeilen benutzt gerade selbst sein zweites Netbook, ist also User und nicht Tester, und kennt sich mit den Vorteilen und einigen Tücken der Netbooks aus. Hier soll Ihnen vor allem geholfen werden, Ihrer Entscheidung eine gewisse Basis zu geben.

Mobilität oder Zweitcomputer

Sie müssen sich fragen, wofür Sie einen mobilen Computer benötigen. Sie wollen sich eine schickes Notebook leisten? Es soll für Multimedia und 3D Computerspiele tauglich sein, einen Bildschirm von 39 Zentimeter (15,4 Zoll) oder mehr haben und gelegentlich zu Hause als Zweitrechner Verwendung finden? Sie nehmen es wie Ihr veraltetes Schlepptop unterwegs nur im Auto für einen Hotelaufenthalt oder die Wartezeiten zwischen Business-Terminen mit? Dann dürften die folgenden Überlegungen für Sie weniger interessant sein. Dann haben Sie an Ihren Aufenthaltsorten sowieso kaum ein Problem, ins Internet zu kommen oder sich ein wenig abzulenken.
Die Kernfrage ist also zuerst, ob die Entscheidung Richtung Luxus oder Werkzeug geht. Wenn Sie den Zweitcomputer – nennen wir ihn ab jetzt salopp Compi – als Werkzeug, als mobiles Büro einsetzen wollen, dann kommt es darauf an, welche Ansprüche Sie bei der “Büroarbeit” an ihn stellen. Ein Netbook ist prinzipiell ein vollständiger Computer mit den meisten Funktionen eines Notebooks, nur leistungsschwächer und langsamer als ein gut gerüsteter Laptop. Mini-Netbooks, die in Asien sehr beliebt sind, kann man kaum noch als Compi bezeichnen, da sie derartig abgespeckt sind, dass sie als Büro für unterwegs nicht mehr tauglich sind. Man könnte sie eher als “Notbook”, denn als Notebook bezeichnen. Teure Ausnahmen bestätigen die Regel. Ein großer Vorteil der Netbooks dind allerdings die in aller Regel deutlich längere Betriebszeit mit dem Akku und das leichte Gewicht.

Entscheidungskriterien

Marke und Gestaltung
Die meisten Hersteller von Computern und Notebooks bieten inzwischen teilweise sogar mehrere Netbooks an. Sie ähneln sich sehr in Ihren technischen Spezifikationen, auch im Erscheinungsbild und in ihrem Preis. Da es sich fast ausschließlich um Markenfabrikate handelt, spielt der Vertrauensfaktor bezüglich eines Herstellers eine große Rolle, auch wenn viele Modelle in China vom selben Band gelaufen sind und oft identische Bauteile enthalten. Zu den wichtigsten Entscheidungs-Kritierien dürften also, soweit es sich um Netbooks und Notebooks der unteren Preisklasse handelt, der emotionale Bezug zu bestimmten Marken und das Design gehören. Wer mehr auf technische Daten schaut, kann seinen Einkauf am jeweiligen Marktpreis oder an Aktionsangeboten orientieren. Überblickt man die Angebotsbreite, kommt einem der Satz von Henry Ford in den Sinn: “Sie können mein Auto (Model T) in jeder beliebigen Farbe erhalten, so lange es sich um Schwarz handelt”. Ganz so schlimm ist nicht. Doch gegen die Welt der mobilen Compis wirkt die Nische der Computerschrauber-Werkstätten wie ein Zauberreich. Würden die Firmen nicht ihre übergroßen Logos, vom Benutzer aus auf dem Kopf stehend, auf den Bildschirmdeckeln platzieren, würde ein Gegenüber nicht erkennen, auf welcher Marke sein Gegenüber im Zug gerade stirnrunzelnd eine Firmenstatistik studiert.

Handhabung
Eines der wichtigsten Unterscheidungs-Merkmale von Netbooks und Notebooks ist in der Praxis die Tastatur. Beide haben im QWERTY-Bereich (deutsch QWERTZ) eine Normaltastatur. Sondertasten und den Nummern-Block gibt es nur als recht gut versteckte und meist unpraktische Sonderfunktion. Wegen der kleineren Bauweise mit einer Breite zwischen 26 und 30 Zentimetern fällt bei den Netbooks die Tastatur durchschnittlich um 15 Prozent schmäler als die Normaltastatur aus. Für Vielschreiber ist das recht gewöhnungsbedürftig.
Ein Netbook ist kein Werkzeug für Romanautoren und produktive Journalisten. Für Gelegenheitsschreiber mit dem Adler-Suchsystem, bei der Abfassung von Briefen, Memoranden etc., für kürzere Manuskripte z.B. von Zeitungsartikeln und Notizen sowie SMS und Mails ist es hervorragend geeignet. Ein längeres Arbeiten an den typischen kleinen Displays mit Diagonalen von 30,7 Zentimetern (12,1 inches) oder nur 25,65 Zentimetern (10,1 inches) wäre ohnehin zu ermüdend. Normale Notebooks haben heute TFT Displays mit Diagonalen von 35,5 oder 39.5 Zentimetern (14 bzw. 15,5 inches) und gestalten daher sowohl von der Bildschirm-Wiedergabe als auch bei der Benutzung der Notebook-Tastatur des Arbeiten angenehmer. Da lesen sich Tabellenkalkulationen schon deutlich einfacher, und man braucht keine extra scharfe Netbook-Lesebrille. Dieser Komfort hat aber seinen Preis, weniger finanziell als beim Schleppen. Während die kleineren Netbooks schnell mal auch im Aktenkoffer verstaut werden können und so um die 1,2 Kilo wiegen, braucht man für Notebooks schon eine eigene Tasche oder ein Case, und sie wiegen üblichweise fast das Doppelte, also über 2 Kilo. Alle Netbooks haben wie ihre großen Verwandten Netcam, Micro und Stereolautsprecher eingebaut, ob man’s braucht oder nicht.
Wenn man den vollen Schreibkomfort mit bequemer Bilddarstellung erreichen will, braucht man allerdings ein Multi Media Notebook, Home Netbook oder ein Gaming Notebook. Wegen der großen Bildschirme, die eine exzellente Bilddarstellung mit bis zu 1920 x 1080 Pixel bieten, quasi in HD Qualität, und Größen von inzwischen 47 Zentimeter (18,4 inches) erreichen, erlauben die Gehäusegrößen den Einbau normaler Tastaturen. Nun brauchen der Zahlenjongleur im Rechnungswesen und der Statistiker nicht mehr auf den numerischen Tastenblock zu verzichten. Unter der Baugröße von bis 45 Zentimeter Breite und der Annäherung an die 5 Kilo Marke leiden dafür Handling und Transportability, um es mal in Denglisch auszudrücken.

Die Technik und ihre Grenzen

Die Ersparnis von Größe und Gewicht beim Netbook hat ihren Preis: Wie die kaum noch gebräuchlichen Subnotebooks hat es kein integriertes CD / DVD Laufwerk mit Brenner. Benötigt man ein Laufwerk, ist man auf ein externes angewiesen, das auch über den USB-Anschluss mit Strom versorgt wird. Da ein Laufwerk ein regelrechter Stromfresser ist, sollte man grundsätzlich im mobilen Einsatz zur Schonung der Akku-Ladung sorgsam damit umgehen. Man muss ja nicht unbedingt am Badestrand CDs mit MP3 Dateien brennen. Das gilt natürlich auch für Notebooks. Da in einem Netbook auch auf weitere stromhungrige Komponenten verzichtet wurde, hält ein vollgeladener frischer Ionen-Lithium Akku einen Bürobetrieb von vier bis acht Stunden aus. Die Notebooks haben zwar meist leistungsfähigere Akkus, aber schon allein das größere Display verbraucht mehr Strom, und man muss froh sein, wenn der Akku drei bis fünf Stunden durchhält. Neueste Modelle sollen jetzt durch Optimierung der Energieverwaltung angeblich rund 10 Stunden Betrieb erlauben. Ob das dauerhaft stimmt, ist in der Praxis noch zu prüfen. Acer wirbt mit “mindestens 8 Stunden”, Asus mit “bis zu 12 Stunden”.

Wieviel Speed muss sein?
Der Prozessor macht den Unterschied, könnte man sagen. Netbooks haben typischerweise einen 1,6 Gigahertz Prozessor, meist den dafür entwickelten Intel Atom N 450. In der Regel bekommt man eine Erstausstattung von 1 Gigabyte Arbeitsspeicher, die auf 2 Gigabyte erweiterbar sind. Anstelle der anfangs üblichen 30 oder 60 Gigabyte sind inzwischen 160 oder 250 Gigabyte bei der Festplatte üblich. Das viel von den Ressourcen zehrende Windows Vista kam bei Netbooks kaum zum Einsatz. Bis 2009 gehörte das Windows XP zur Grundausstattung, und jetzt ist das Windows 7 Starter durchwegs üblich. Einzelne, vor allem für semiprofessionellen Einsatz gedachte Netbooks werden mit dem stabilen und schnellen Ubuntu oder seinen Varianten angeboten. Dieses Open Source Betriebssystem harmoniert hervorragend mit dem laufenden verbesserten OpenOffice, das mit Windows Office voll konkurrieren kann und in einzelnen Teilen Windows sogar leicht überlegen ist. Ergänzt man OpenOffice mit dem ebenfalls kostenfreien PhotoScape hat man eine gute und schnelle Grundausstattung für Netbooks. Bei der Bildverwaltung und Bildbearbeitung braucht auch ein etwas anspruchsvollerer Normalverbraucher nicht mehr Werkzeuge als PhotoScape bietet. Dass es für Ubuntu kaum Spiele gibt, fällt praktisch nicht ins Gewicht, da ein Netbook dafür wirklich nicht gedacht ist, und für Browsergames und einfache Downloadgames zur Zerstreuung reicht es allemal noch.
Ein Einsteigermodell eines Office & Internet Notebooks bietet nur wenig mehr Leistung als ein Netbook, vor allem aber die alltagstauglichere Tastatur, die praktischere Display-Größe und das integrierte CD / DVD Laufwerk. Man muss aber zugeben, dass auf Grund der anderen Rechner-Architektur ein Notebook bei manchen Anwendungen flüssiger arbeitet und wesentlich schneller hochfährt oder Programme aufruft. Ein überladener Desktop macht aber auch beim Notebook deutlich, wo die Bremser sitzen. Wirklich Power zeigen Multimedia und Games Notebooks, aber die spielen buchstäblich in einer anderen Gewichtsklasse.
Wie viel Leistung in den kleinen Kisten sitzt, erfährt man, wenn man alle Anschlüsse nützt, die bei Netbooks und Notebooks fast identisch ausfallen. Bereits bei Netbooks wird deutlich, dass in mobilen Compis mehr drin steckt, als vor etwa 5 Jahren bei vielen Desktops vom Discounter. Schließt man die Kistchen zuhause oder an einem festen Arbeitsplatz an einen Monitor an und stöpselt eine richtige Volltastatur und eine optische Maus ein, steht bereits ein recht praktikabler Zweitcomputer zur Verfügung. Dann noch ein Netzwerkkabel in die Ethernet-Buchse, einen Hub in die bei Netbooks meist einsame USB-Buchse, Drucker und Scanner oder ein Multifunktionsgerät eingesteckt, Computerlautsprecher und Tischmikrofon (oder Headset) für Internet-Telefonie angeschlossen, eventuell noch eine externe Festplatte dran und fertig ist ein ordentlicher Arbeitsplatz. Sie werden staunen. Auch eine DVD kann man (beim Netbook mit Zusatzlaufwerk) über einen neues TV-Set anschauen, und eine Digitalisierung und Nachbearbeitung von Audio-Dateien ist kein Problem. Will man wieder mobil sein, zieht man einfach die Stöpsel raus, läßt alles Externe am Arbeitsplatz und ab geht die Post. Uups, das Netzgerät nicht vergessen und vielleicht noch einen Mini-Hub, eine Notebook-Maus und den DVB-T Stöpsel ins Handgepäck schmeissen.

Volle Mobilität
Seit die Mobilfunkanbieter und ihre angeschlossenen Partner USB-Datensticks anbieten, ist man total mobil. Theoretisch kann man überall ins Internet gehen. Bezahlt wird bei den meisten Anbietern mit dem Prepaid-Verfahren für die Daten SIM Card, die nicht für ein Handy geeignet ist.
Mit einem Flatrate-Vertrag bekommt man ein Marken-Netbook dazu, das einen speziellen Slot für die Daten SIM Card zusätzlich zu den Speicherkarten-Steckplätzen hat. Diese Steckplätze sind oft recht umständlich zu bedienen, ersparen aber den Internet-Stick. Ein separater Stick ist empfehlenswert, wenn man abwechselnd ein Netbook und ein größeres Notebook verwendet. Der Installations-Assistent ist auf den Sticks beziehungsweise auf den Netbooks bereits vorinstalliert und relativ einfach zu bedienen.
Aber Achtung: Eine Flatrate ist bei Vielnutzern praktisch, aber in soweit begrenzt, dass nach einer Übertragung von 5 GB Datenmenge im Rechnungsmonat mit dem UMTS oder GPRS Standard auf die niedrigste Übertragungsrate herunter geschaltet wird. Für Mails reicht das noch, Surfen wird zäh und z.B. Internet-Radio oder Youtube kann man dann ganz vergessen. Wer Internet-TV oder Filme über das Netz anschaut, hat die monatlichen 5 GB schnell verbraucht. Die Verfügbarkeit des Internet darf nicht mit dem Handy-Empfang gleichgesetzt werden. Dort wo ein Handy-Netz gerade noch verfügbar ist, reißt die Internet-Verbindung ab oder ist nur noch mit der niedrigsten Übertragungsrate möglich. Das bedeutet letztlich, dass man nicht an jedem Badesee oder bei jedem Geschäftstermin auf dem Dorf sein Notebook voll nutzen kann. Die reine Büroarbeit bleibt für den Workaholic aber davon unberührt, und der Schriftsteller taucht im Salzkammergut seine Feder nicht mehr in den Aussee, der angeblich mit Tinte und nicht mit Wasser gefüllt ist. Er setzt sich einfach mit seinem Notebook auf die Terrasse seines k.u.k. Hotels und arbeitet an seinem neuen Roman.

Sonderformen
In Asien sind sie seit Ende der 90er Jahre sehr beliebt und bei uns kaum gefragt, die Mini-Netbooks. Sie sind technisch derart abgespeckt, dass man mit ihnen kaum arbeiten kann. Sie sind praktisch große Notizbücher mit Internet-Zugang. Bei Formaten, die an Größe und Gewicht einem dickeren Taschenbuch gleichen, kann man sie zwar nicht buchstäblich in die Westentasche stecken, aber gerade noch in ein Sakko oder eine Damenhandtasche. Die Tastaturen sind schon sehr klein, funktionieren aber wie bei einem Netbook und sind deshalb immer noch wesentlich komfortabler als bei einem sogeannten Tasten-Handy. Die Displays haben in der Regel eine Diagonale von 18 Zentimetern (7 inches) und eine Auflösung von 800 x 480 Pixel. Gängig sind VIA Prozessoren der 8000er Reihe mit Taktungen von 300 bis 400 Megahertz, was gerade mal einem Pentium III entspricht. Mehr als 2 GB gibt es auf dem internen Speicherplatz kaum. Eine Speichererweiterung ist aber mit Speicherkarten bis 32 GB möglich. Der Arbeitsspeicher ist mit 128 oder 256 Megabyte der Gesamtleistung angemessen. Das Betriebssystem ist meist das Windows CE und man findet allgemein ein Wordpad, eine Tabellenkalkulation, PDF-Reader und Internet Explorer vorinstalliert. Es gibt Netzwerkanschlüsse, WLAN und USB-Buchsen. Das ganze läuft rund 2 Stunden mit dem Akku, wiegt etwa 600 bis 700 Gramm und ist für zirka 100 Euro erhältlich. Es gibt aber positive „Ausreißer“. Hercules bietet ein Mini-Notebook mit ähnlichen Maßen an, das fast so viel kann wie die schon beschriebenen Netbooks: Widescreen Display 20,3 Zentimeter (8 inches), AMD Prozessor, 512 Megabyte DDR-RAM, 20 Gigabyte Festplatte, Kartenleser, alle einschlägigen Anschlüsse für externe Geräte, 3 Stunden Akku-Laufzeit, Linux Betriebssystem und OpenOffice etc. Dafür zahlt man aber rund das Doppelte. Das Sony VGN-P11Z/G bringt schließlich bei den gleichen Maßen und mit nur 640 Gramm die Technik eines richtigen Netbooks unter. Das passt dann in die Jackentasche, weil die Brieftasche deutlich dünner geworden ist.

Fazit

Die Entscheidung, ob Ihnen Handlichkeit oder Leistung wichtiger sind, müssen sie selber treffen. Sehen und fühlen sie mal einige Modelle bei einem Händler. Eine gute äußere Verarbeitung spricht für ein gutes Innenleben, wie ein schönes Etikett für einen guten Wein. Halten Sie sich auf dem Laufenden. Netbooks werden immer leistungsfähiger, bleiben aber bezahlbar. Achten Sie auf innovative Firmen, wie den chinesischen Computer Giganten und IBM-Partner Lenovo. Dort finden Sie z.B. Netbooks mit Touchscreen.
Interessante Info-Quellen, auch über weniger bekannte Hersteller finden sie u.a. bei area-it.de, www.netbooknews.de, www.netbook-magazin.com, oder www.heise.de. Also viel Spaß und ein gutes Händchen.

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